Das aktuelle besonders kundenfreundliche Widerrufsrecht stellt Einzelhändler vor große Herausforderungen, da Kunden beispielsweise bestellte Waren auf Kosten des Händlers und ohne Angabe von Gründen retournieren können. Unternehmer klagen aber nicht nur über sehr hohe Retourenquoten, sondern auch vermehrt über den Missbrauch des Widerrufrechts durch den Verbraucher.
So senden Verbraucher zum Beispiel den getragenen Anzug nach einem Vorstellungsgespräch zurück oder retournieren den neuen Flachbild-TV nach der Europameisterschaft. Diese so genannten betrügerischen Retouren ziehen einen großen Bearbeitungsaufwand nach sich und verzeichnen oft überdurchschnittliche Wertverluste.
Betrügerische Retouren (engl. fraudulent returns) sind Waren, die vom Verbraucher im Rahmen des Widerrufsrechts (§ 355 BGB) zum Unternehmer retourniert werden, obwohl dem Verbraucher bewusst ist, dass diese Waren sich in einem verschlechterten Zustand (gem. § 346 BGB) befinden und / oder er sie bereits in einem Umfang genutzt hat, der über die ihm gem. § 357 BGB zugesprochene Prüfung der Art, der Beschaffenheit und der Funktionsweise der Ware hinausgeht. Der Verbraucher ist sich des Missbrauchs des Widerrufsrechts aktiv bewusst.
Am 22. November 2011 wurde die Richtlinie über die Rechte der Verbraucher als RL 2011/83/EU im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und viele Händler versprechen sich durch die neue Rechtsprechung mehr Schutz und eine verbesserte Vorgehensweise gegen Betrüger. Gemäß Artikel 28 Abs. 1 müssen die Mitgliedsstaaten die Richtlinie bis zum 13.12.2013 in ihr nationales Recht umsetzen. Eine Vollharmonisierung im Fernabsatzrecht soll europaweit eingeführt werden, mit dem Ziel den Binnenmarkt für Verbraucher zu fördern und ein möglichst ausgewogenes Verhältnis zwischen einem hohen Verbraucherschutzniveau und der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erreichen.
Vor allem im Bereich des Widerrufsrechts sind Neuerungen zu erwarten:
Angesichts der zu erwartenden Änderungen führt die Forschungsgruppe Retourenmanagement des Otto-Friedrich-Universität Bamberg eine Umfrage durch: ww2.unipark.de/uc/retouren_betrug/
Ziel der Online-Befragung ist es, die Relevanz betrügerischer Retouren für Händler und Shopbetreiber herauszustellen und deren Einfluss auf den Unternehmenserfolg zu erfassen.
Des Weiteren werden die bevorstehenden Änderungen durch die EU-Verbraucherrecht-Richtlinie beurteilt, offener Handlungsbedarf für den Gesetzgeber ermittelt sowie die Art und Weise in der Händler die sich bietenden Möglichkeiten nutzen werden, analysiert. Somit ist es möglich, Verbände und Politik auf die Relevanz des Problems hinzuweisen und auf zukünftige Gesetzgebungsverfahren faktenbasiert Einfluss zu nehmen.
Zielgruppe der Erhebung sind Einzelhändler aller Branchen, die Umsätze im Versandhandel erzielen. Interessierte Entscheidungsträger sind herzlich dazu eingeladen, sich an der Online-Befragung zu beteiligen: Die Teilnahme ist ab sofort bis einschließlich 17. Juli 2012 möglich.
Die Forschungsgruppe Retourenmanagement verpflichtet sich, alle erhobenen Daten streng vertraulich zu behandeln und nur in anonymisierter Form auszuwerten. Alle Teilnehmer der Umfrage erhalten eine ausführliche Aufbereitung der Ergebnisse.
Dieser Artikel wurde vom Gastautor Alexander Weigel verfasst. Herr Weigel arbeitet in der Forschungsgruppe Retourenmanagement an der Universität Bamberg.Kontakt via E-Mail: alexander-helmut.weigel@stud.uni-bamberg.de
Weitere Informationen zur Forschungsgruppe Retourenmanagement erhalten Sie unter:
www.retourenforschung.de
www.uni-bamberg.de/pul
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